Optimale Bestellmenge im E-Commerce: So findest du die wirtschaftlichste Lösung.

Optimale Bestellmenge im E-Commerce: So findest du die wirtschaftlichste Lösung.

Veröffentlicht am · von
Lisa Kammermayer

Die optimale Bestellmenge klingt nach trockener Theorie – ist aber in der Praxis einer der wichtigsten Hebel, um im E-Commerce Kosten zu senken, Lagerfläche effizient zu nutzen und Liquidität zu sichern.

Was ist die optimale Bestellmenge?

Unter der optimalen Bestellmenge versteht man die aus wirtschaftlicher Sicht günstigste Anzahl von Produkten oder Rohstoffen, die ein Unternehmen bestellt, um die Gesamtkosten zu minimieren.
Diese Kosten setzen sich vor allem aus Lagerhaltung und Bestellprozessen zusammen.

Dazu zählen z. B.:

  • Miete und Strom für Lagerräume

  • Arbeitszeit fürs Einlagern, Verpacken oder Aufbereiten

  • Kapital, das im Lager gebunden ist und nicht frei verfügbar ist

Die optimale Bestellmenge hängt ab von:

  • Einstandspreis

  • Bestellkosten

  • Lagerkosten

  • Häufigkeit der Bestellungen

  • Verfügbarkeit von Produkten

Warum ist die optimale Bestellmenge so wichtig?

Mengenrabatte sind verlockend – aber größere Bestellungen haben auch Nachteile:

  • Höhere Lagerkosten

  • Mehr gebundenes Kapital

  • Risiko von Verderb oder Veralterung der Ware

  • Zusätzliche Arbeitsstunden für Lagerhaltung und Weiterverarbeitung

Kurz: Einfach „Lager vollmachen“ ist keine langfristig sinnvolle Strategie.

Die wichtigsten Einflussfaktoren

  1. Personalkosten – Mehr Lagerbewegung bedeutet mehr Arbeitsaufwand.

  2. Art der Finanzierung – Eigenkapital ist günstiger als Fremdkapital.

  3. Lagerhaltungskosten – Miete, Energie, Sicherheit.

  4. Jahresabsatz – Hoher Absatz erlaubt oft größere Bestellmengen.

  5. Lieferdauer – Längere Lieferzeiten erfordern ggf. größere Bestände.

  6. Einkaufspreise – Hohe Preise erhöhen Bestellkosten, oft sinkt dann die optimale Menge.

  7. Mengenrabatte – Können größere Bestellmengen wirtschaftlich machen.

  8. Einstandspreis – Beeinflusst sowohl Lager- als auch Bestellkosten.

Wie wird die optimale Bestellmenge berechnet?

Zur Ermittlung wird häufig die Andler-Formel genutzt. Sie kombiniert Bestell- und Lagerkosten, um das Gesamtkostenminimum zu bestimmen.

Vier Schritte:

  1. Bestellkosten ermitteln – Aufwand pro Bestellung, inkl. Transport.
    Bestellkosten berechnen

    • m gibt die Gesamtmenge an, die das Unternehmen während eines vorgegebenen Zeitraums benötigt.

    • q gibt die Menge der Bestellungen an.

    • kb zeigt die Bestellkosten pro Auftrag auf.

  2. Lagerkosten berechnen – Wert pro Stück × Lagerhaltungskostensatz.
    Lagerkosten berechnenDie Lagerkosten setzen sich aus dem Wert pro Stück (w) und dem Lagerhaltungskostensatz (i) zusammen. Der Lagerkostensatz wird ermittelt durch die physischen Lagerkosten (ph) und durch die Kapitalbindungskosten (k).

  3. Gesamtkostenminimum festlegen – Abgleich von Bestell- und Lagerkosten.
    Gesamtkosten berechnen

  4. Andler-Formel anwenden, um die optimale Bestellmenge abzuleiten.
    Andler Formel

Beispielrechnung

  • Jahresbedarf: 10 000 Holzplatten

  • Bestellkosten: 1.000 € pro Auftrag

  • Lagerhaltungskostensatz: 10 %

  • Preis pro Holzplatte: 50 €

Ergebnis: Die Andler-Formel liefert eine optimale Bestellmenge von 2 000 Stück.

Kritik & Grenzen der Methode

Die Andler-Formel ist ein nützliches Modell – aber sie geht von Idealfällen aus:

  • Nur ein Artikel pro Berechnung

  • Keine Staffelpreise

  • Konstante Nachfrage ohne Saisonschwankungen

  • Keine Berücksichtigung der Lagerdauer

  • Hohe Lagerbestände verringern Flexibilität

Grafische & tabellarische Lösungen

Grafisch: Gesamtkostenkurve (Bestell- + Lagerkosten) über Bestellmenge auftragen. Minimum = optimale Menge.

optimale Bestellmenge grafischTabellarisch: In Excel verschiedene Bestellmengen durchrechnen, alle Kostenarten listen und Gesamtkosten vergleichen.

Für wen empfielt sich die Ermittlung?

Besonders für:

  • Standardproduktionen

  • Produkte mit hohem Einkaufswert

  • Spezialartikel von wenigen Lieferanten

Aber: Immer alle betrieblichen Faktoren mit einbeziehen.

Nachhaltigkeit und Qualität: Mehr als nur Kostenoptimierung

Die Berechnung der optimalen Bestellmenge ist aus wirtschaftlicher Sicht wichtig – aber im modernen E-Commerce zählen weitere Faktoren, die über den reinen Preis hinausgehen.

Nachhaltigkeit

Vermeidung von Überbeständen: Jede unverkaufte Ware bindet Ressourcen und verursacht Entsorgungskosten.

Kurze Transportwege: Reduziert CO₂-Ausstoß und Lieferzeiten.

Nachhaltige Verpackung: Wiederverwendbare oder recycelbare Materialien schonen die Umwelt und stärken dein Markenimage.

Bedarfsgerechte Planung: Lieber häufiger in kleineren Mengen bestellen, wenn dies umweltfreundlichere Lieferketten ermöglicht.

Qualität

Wareneingangsprüfung: Auch bei großen Bestellmengen sollte die Qualität jeder Lieferung kontrolliert werden, um Retouren und Reklamationen zu vermeiden.

Lieferantenauswahl: Partnerschaften mit Produzenten, die nachhaltig arbeiten und gleichbleibend hohe Qualität liefern, zahlen sich langfristig aus.

Gleichbleibende Standards: Große Mengen bedeuten oft längere Lagerzeiten. Prüfe, ob die Produktqualität über diesen Zeitraum erhalten bleibt.

Fazit

Nachdem die optimale Bestellmenge festgelegt worden ist, ist das Lager endlich perfekt aufgestellt – zumindest auf dem Papier. In der Praxis zeigt sich schnell: Ohne ein leistungsfähiges Versandmanagement bleibt viel Potenzial ungenutzt.
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Lisa Kammermayer
Über den Autor

Lisa Kammermayer

Als Marketing Managerin bei SimpleSell kümmert sich Lisa um alle Themen, die mit Content Marketing auf unserer Website, unseren Social Media Kanälen oder dem Newsletter zu tun haben. Dabei versorgt sie dich mit den aktuellsten Neuerungen unserer Versandsoftware und den neuesten Informationen rund um E-Commerce und Logistik.