Optimale Bestellmenge im E-Commerce: So findest du die wirtschaftlichste Lösung.
Die optimale Bestellmenge klingt nach trockener Theorie – ist aber in der Praxis einer der wichtigsten Hebel, um im E-Commerce Kosten zu senken, Lagerfläche effizient zu nutzen und Liquidität zu sichern.
Was ist die optimale Bestellmenge?
Unter der optimalen Bestellmenge versteht man die aus wirtschaftlicher Sicht günstigste Anzahl von Produkten oder Rohstoffen, die ein Unternehmen bestellt, um die Gesamtkosten zu minimieren.
Diese Kosten setzen sich vor allem aus Lagerhaltung und Bestellprozessen zusammen.
Dazu zählen z. B.:
Miete und Strom für Lagerräume
Arbeitszeit fürs Einlagern, Verpacken oder Aufbereiten
Kapital, das im Lager gebunden ist und nicht frei verfügbar ist
Die optimale Bestellmenge hängt ab von:
Einstandspreis
Bestellkosten
Lagerkosten
Häufigkeit der Bestellungen
Verfügbarkeit von Produkten
Warum ist die optimale Bestellmenge so wichtig?
Mengenrabatte sind verlockend – aber größere Bestellungen haben auch Nachteile:
Höhere Lagerkosten
Mehr gebundenes Kapital
Risiko von Verderb oder Veralterung der Ware
Zusätzliche Arbeitsstunden für Lagerhaltung und Weiterverarbeitung
Kurz: Einfach „Lager vollmachen“ ist keine langfristig sinnvolle Strategie.
Die wichtigsten Einflussfaktoren
Personalkosten – Mehr Lagerbewegung bedeutet mehr Arbeitsaufwand.
Art der Finanzierung – Eigenkapital ist günstiger als Fremdkapital.
Lagerhaltungskosten – Miete, Energie, Sicherheit.
Jahresabsatz – Hoher Absatz erlaubt oft größere Bestellmengen.
Lieferdauer – Längere Lieferzeiten erfordern ggf. größere Bestände.
Einkaufspreise – Hohe Preise erhöhen Bestellkosten, oft sinkt dann die optimale Menge.
Mengenrabatte – Können größere Bestellmengen wirtschaftlich machen.
Einstandspreis – Beeinflusst sowohl Lager- als auch Bestellkosten.
Wie wird die optimale Bestellmenge berechnet?
Zur Ermittlung wird häufig die Andler-Formel genutzt. Sie kombiniert Bestell- und Lagerkosten, um das Gesamtkostenminimum zu bestimmen.
Vier Schritte:
Bestellkosten ermitteln – Aufwand pro Bestellung, inkl. Transport.

m gibt die Gesamtmenge an, die das Unternehmen während eines vorgegebenen Zeitraums benötigt.
q gibt die Menge der Bestellungen an.
kb zeigt die Bestellkosten pro Auftrag auf.
Lagerkosten berechnen – Wert pro Stück × Lagerhaltungskostensatz.
Die Lagerkosten setzen sich aus dem Wert pro Stück (w) und dem Lagerhaltungskostensatz (i) zusammen. Der Lagerkostensatz wird ermittelt durch die physischen Lagerkosten (ph) und durch die Kapitalbindungskosten (k).Gesamtkostenminimum festlegen – Abgleich von Bestell- und Lagerkosten.

Andler-Formel anwenden, um die optimale Bestellmenge abzuleiten.

Beispielrechnung
Jahresbedarf: 10 000 Holzplatten
Bestellkosten: 1.000 € pro Auftrag
Lagerhaltungskostensatz: 10 %
Preis pro Holzplatte: 50 €
Ergebnis: Die Andler-Formel liefert eine optimale Bestellmenge von 2 000 Stück.
Kritik & Grenzen der Methode
Die Andler-Formel ist ein nützliches Modell – aber sie geht von Idealfällen aus:
Nur ein Artikel pro Berechnung
Keine Staffelpreise
Konstante Nachfrage ohne Saisonschwankungen
Keine Berücksichtigung der Lagerdauer
Hohe Lagerbestände verringern Flexibilität
Grafische & tabellarische Lösungen
Grafisch: Gesamtkostenkurve (Bestell- + Lagerkosten) über Bestellmenge auftragen. Minimum = optimale Menge.
Tabellarisch: In Excel verschiedene Bestellmengen durchrechnen, alle Kostenarten listen und Gesamtkosten vergleichen.
Für wen empfielt sich die Ermittlung?
Besonders für:
Standardproduktionen
Produkte mit hohem Einkaufswert
Spezialartikel von wenigen Lieferanten
Aber: Immer alle betrieblichen Faktoren mit einbeziehen.
Nachhaltigkeit und Qualität: Mehr als nur Kostenoptimierung
Die Berechnung der optimalen Bestellmenge ist aus wirtschaftlicher Sicht wichtig – aber im modernen E-Commerce zählen weitere Faktoren, die über den reinen Preis hinausgehen.
Nachhaltigkeit
Vermeidung von Überbeständen: Jede unverkaufte Ware bindet Ressourcen und verursacht Entsorgungskosten.
Kurze Transportwege: Reduziert CO₂-Ausstoß und Lieferzeiten.
Nachhaltige Verpackung: Wiederverwendbare oder recycelbare Materialien schonen die Umwelt und stärken dein Markenimage.
Bedarfsgerechte Planung: Lieber häufiger in kleineren Mengen bestellen, wenn dies umweltfreundlichere Lieferketten ermöglicht.
Qualität
Wareneingangsprüfung: Auch bei großen Bestellmengen sollte die Qualität jeder Lieferung kontrolliert werden, um Retouren und Reklamationen zu vermeiden.
Lieferantenauswahl: Partnerschaften mit Produzenten, die nachhaltig arbeiten und gleichbleibend hohe Qualität liefern, zahlen sich langfristig aus.
Gleichbleibende Standards: Große Mengen bedeuten oft längere Lagerzeiten. Prüfe, ob die Produktqualität über diesen Zeitraum erhalten bleibt.
Fazit
Nachdem die optimale Bestellmenge festgelegt worden ist, ist das Lager endlich perfekt aufgestellt – zumindest auf dem Papier. In der Praxis zeigt sich schnell: Ohne ein leistungsfähiges Versandmanagement bleibt viel Potenzial ungenutzt.
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