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Besuchertour durch das Amazon Logistikzentrum Bad Hersfeld (FRA3)

Besuchertour durch das Amazon Logistikzentrum Bad Hersfeld (FRA3)

Vergangene Woche waren wir Teilnehmer bei einer Besuchertour durch das Amazon Logistikzentrum FRA3 bei Bad Hersfeld. Amazon bietet die Touren kostenfrei an und gewährt Einblick hinter die Kulissen eines hochgradig optimierten Versandprozesses. Unsere Eindrücke möchten wir hier mit Ihnen teilen und legen allen Händlern ans Herz, selbst bei einer Tour teilzunehmen. Die Anmeldung erfolgt ganz einfach online unter Amazon Besuchertouren. Sie können sowohl alleine als auch als Gruppe an einem der vier Standorte mit dem Tourenangebot teilnehmen.

Nahe der hessischen Stadt Bad Hersfeld im Industriegebiet an der A4 befindet sich auf einer Anhöhe das Amazon Logistikzentrum FRA3. Amazon benennt seine Logistikzentren immer nach dem Kürzel des nächstgelegenen Flughafens, gefolgt von einer fortlaufenden Nummer. Das Amazon Logo prangt gut sichtbar mehrfach an der großen Industriehalle. Hier werden auf rund 120.000 Quadratmetern Fläche täglich zwischen 100.000 und 400.000 Bestellungen zum Versand vorbereitet.

Der Eingangsbereich ist mit Drehkreuzen abgesichert, der gesamte Hallenbereich eingezäunt. Wir werden vor dem Eingangsbereich abgeholt und über eine Brücke in die Werkhalle geführt. Unter dem Übergang befinden sich die Warenannahme und zahlreiche LKWs und Wechselbrücken von DHL, Hermes und UPS.

Die Tour beginnt in einem kleinen extra für die Besuchertouren aufgebauten Raum im Foyer des Logistikzentrums. Rund 20 Sitzgelegenheiten aus gefaltetem Pappkarton befinden sich darin für die Teilnehmer. Jeder erhält eine gelbe Warnweste mit Aufdruck "Besucher". Rechts an der Wand eine schematische Abbildung des Prozesses Was passiert nach dem Klick auf "Jetzt kaufen"?. Jede Station dieses Prozesses wird man später während der Führung besuchen. Linkerhand an der Wand Zahlen zu Amazon. Acht Milliarden Euro hat Amazon bisher in seine Infrastruktur in Deutschland investiert. Den Standort in Bad Hersfeld gibt es inzwischen seit zehn Jahren.

Im Eingangsbereich zur Werkhalle befindet sich ein Whiteboard, an dem Mitarbeiter Kommentare, Beschwerden und Wünsche hinterlassen können. Sicherheit hat bei Amazon oberste Priorität, überall finden sich Hinweisschilder mit Anweisungen zum richtigen Verhalten. So soll beispielsweise beim Treppensteigen stets der Handlauf benutzt werden und in Bereichen mit rotem Boden sind Sicherheitsschuhe sowie Warnwesten Pflicht. Am Eingang zur Lagerhalle begegnet man den prüfenden Blicken der Security, dahinter befinden sich direkt die Stempeluhren. Ein Beamer zeigt die neusten Informationen für die Mitarbeiter an: Der Prime Day 2019 war der erfolgreichste Prime Day überhaupt, es gab die meisten Neuregistrierungen für das Prime-Programm.

Die erste Station der Tour ist der Wareneingang. Dort wird Ware von Herstellern, Amazon Marketplace Händlern, aber auch umgelagerte Ware aus anderen Logistikzentren angeliefert und aus den LKWs ausgeladen und ausgepackt. Auf einem Förderband wird die Ware in einen anderen Bereich zur Qualitätskontrolle gebracht. Dort werden die Waren gescannt und durch Mitarbeiter ins Inventar eingebucht. Zudem wird alles gewogen und gemessen, falls noch keine Werte vorliegen, denn diese Daten werden für den Versand gebraucht. Computer und Handscanner helfen den Mitarbeitern und geben an, auf welche Wägen die Waren für die Einlagerung gebracht werden müssen. Stapler transportieren die Wägen Richtung Lager, alle Stellflächen sind säuberlich gekennzeichnet und nummeriert.

In der Nähe gibt es einen weiteren Bereich, in dem Waren zur Verlegung in andere Logistikzentren oder für die Rücksendung zum Händler vorbereitet werden. Roboter helfen beim Stapeln der Kisten. Täglich fahren zu festgelegten Cut-off-Zeiten LKWs zu anderen Logistikzentren in Deutschland, aber auch ins benachbarte Polen und nach Tschechien.

FRA3 hat sich hauptsächlich auf Bekleidung und Schuhe spezialisiert, das merkt man spätestens beim Betreten eines der Lagertürme. Regalreihen mit bis zu 800 Fächern pro Reihe mit rund sechs Böden auf vier Stockwerken in vier Lagertürmen sind die Grundlage des von Amazon verwendeten chaotischen Lagersystems. Regale soweit das Auge reicht, alle aber nur rund zwei Meter hoch, denn jedes Fach muss von den Mitarbeitern per Hand erreicht werden können. In den säuberlich mit Barcodes, Fachnummern und Farbcodes beschrifteten Fächern werden hier Produkte aller Art eingelagert. Komplett zufällig, nur der Computer weiß, in welchen Fach sich welches Produkt befindet. In den Lagertürmen verstauen Mitarbeiter mithilfe von Handscannern die ankommenden Waren in den Regalen und kommissionieren eingelagerte Produkte für den Versand. Um die Laufwege möglichst gering zu halten ist jeder Lagerturm in Zonen eingeteilt, für die jeweils bestimmte Mitarbeiter zuständig sind.

Im Packbereich arbeiten die Mitarbeiter an zahlreichen in Reihen angeordneten Packstationen und verpacken die Bestellungen für den Versand. Vorher werden die einzelnen Produkte zu Bestellungen zusammensortiert. Das ist nötig, falls z. B. ein Kunde mehrere Artikel aus verschiedenen Bereichen des Lagers bestellt hat. Die Versandmitarbeiter arbeiten dann die in Wägen mit Fächern einsortierten Bestellungen ab. Der Computer gibt das Fach und die Versandverpackung vor, die Artikel werden verpackt und aus Datenschutzgründen mit einem Barcode versehen. So weiß kein Versandmitarbeiter, für welchen Kunden die Ware verpackt wurde.

Nicht alle Packplätze sind heute belegt, aber alle arbeiten konzentriert. Die meisten Mitarbeiter sind für mehrere Aufgaben qualifiziert und werden dynamisch in die Bereiche verschoben, in denen momentan die meiste Arbeit anfällt. Vorrang hat aber immer das Kommissionieren und Packen der Bestellungen.

Bei der nächsten Station übernimmt ein automatisiertes System das Labeln für den Versand. Die Sendung wird beim Ankommen gescannt, das Versandlabel mit der Adresse des Kunden gedruckt und automatisch auf der Sendung angebracht. Abschließend erfolgt eine letzte automatische Qualitätskontrolle auf einer Waage. So kann noch vor dem eigentlichen Versand festgestellt werden, ob eine Sendung die richtigen Produkte enthält. Maximal 6.000 Fehler pro einer Million Bestellungen lautet die Vorgabe. Besonders gute Teamleistung im Werk wird zusätzlich entlohnt.

Nach dem Labeln werden die Sendungen in Wechselbrücken und Anhänger von DHL und Hermes geladen. Förderbänder bringen die Sendungen in die Anhänger hinein, wo sie aufgeschichtet werden. Zu festen Cut-off-Zeiten werden die Wechselbrücken abgeholt und in die nahegelegenen Hubs von DHL und Hermes gebracht. Die Verteilung und den Transport der Sendungen zum Kunden übernimmt der Logistikpartner. Amazon befindet sich derzeit im Aufbau eines eigenen Logistikdienstes in Deutschland und will zukünftig mehr Bestellungen über sein eigenes Netzwerk ausliefern.

Die Lager werden ständig umgebaut, erweitert, optimiert und modernisiert. Man merkt: Kundenservice und -zufriedenheit hat bei Amazon oberste Priorität. Alles ist darauf ausgelegt, die Bestellungen so schnell wie möglich zu bearbeiten und erfolgreich an den Kunden auszuliefern.

Die Tour endet wieder im Raum vom Anfang, in dem noch Fragen gestellt werden können.